Belarusisches Kino nach 2020

Editorial

Autor/innen

  • Sasha Razor University of California Santa Barbara
  • Volha Isakava Central Washington University

DOI:

https://doi.org/10.17892/app.2026.00022.441

Schlagworte:

belarusisches Kino, belarusische Proteste von 2020, diasporische Governance, Kino im Exil, akzentuiertes Kino, staatsloses Kino, Belarusian Independent Film Academy (BIFA), Belarusian Filmmakers’ Network (BFN), Red Heather Awards, VODBLISK, Northern Lights Film Festival, Protestdokumentarfilm, Unkenntlichmachung von Gesichtern, Dekolonisierung der Slawistik

Abstract

Seit der gefälschten Präsidentschaftswahl vom 9. August 2020 und der gewaltsamen Niederschlagung der dadurch ausgelösten Proteste muss sich das unabhängige belarusische Kino im Exil neu konstituieren. Bereits in der Heimat marginalisiert, wo es außerhalb der von Belarusfilm monopolisierten Staatsindustrie arbeitete, fügt es nun, verstreut und unterfinanziert, Stück für Stück etwas zusammen, das allmählich die Züge einer funktionsfähigen Filmindustrie annimmt. Über Europa und die Vereinigten Staaten verstreut, übernehmen Filmschaffende, Kritiker:innen und Festivalorganisator:innen Funktion für Funktion jenen Apparat, der ein nationales Kino hervorbringt und ihm Wert zuschreibt: Produktion, Distribution und Vorführung auf der einen Seite; Akkreditierung, Kanonbildung und kritische Bewertung auf der anderen. Sie tun dies ohne feste Etats, ohne Institutionen im Rücken und oft unter erheblichem persönlichem Risiko. Diese Arbeit hat sich vorerst um fünf Einrichtungen verdichtet: das Belarusian Filmmakers' Network (BFN), die Belarusian Independent Film Academy (BIFA), die Vertriebsplattform VODBLISK, das Northern Lights Film Festival und den Red Heather Belarusian Film Critics Award. Zusammen bilden sie, was wir als vernetzte diasporische Governance bezeichnen: eine kulturelle Infrastruktur, die eine Handvoll Akteur:innen über Grenzen hinweg trägt – anstelle der staatlichen Institutionen und gegen sie. Die hier versammelten Interviews, Essays und Rezensionen dokumentieren diese Formierung von innen. Ob diese Konfiguration Bestand haben wird und ob sie sich ausweiten lässt, ist die Frage, die dieses Heft aufwirft.

Veröffentlicht

2026-07-08

Zitationsvorschlag

Razor, Sasha, und Volha Isakava. 2026. „Belarusisches Kino Nach 2020: Editorial“. Apparatus. Film, Medien Und Digitale Kulturen in Mittel- Und Osteuropa, Nr. 22 (Juli). https://doi.org/10.17892/app.2026.00022.441.

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